Wer mit der Arbeit von Valérie-Françoise Vogt in Kontakt kommt, kann sich erstmal nicht dagegen wehren, anständig beeindruckt zu sein. Nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch, weil sie sich einfach nicht darauf festnageln lassen will, in welche Kunstrichtung es gehen soll. Die frischgebackene Design Studies-Absolventin mag es eher verflochten als vereinzelt. Ausprobiert hat sie sich jedenfalls in Tanz, Grafik, Malerei, generativer Gestaltung und Klang.
Soweit, so sympathisch. Da wurde es doch höchste Zeit, dass auch ein Plattencover dazu kommt. So schnell sie dann mit der Covergestaltung für Jacob Korns “She EP” beauftragt wurde, so zahlreich lieferte sie Entwürfe. Ob sie letztendlich mit der Auswahl zufrieden ist und was die “Eier von Satan” damit zu tun haben – wer das weiß, hat das Interview richtig gelesen.

Valérie, bitte stell dich doch mal vor?

Hi! Ich bin Valérie, mach’ Design und meine Hobbies sind Malen und Computerspielen :)

Du bringst ja gern computerbasierte mit den klassischen bildenden Künsten zusammen. Was reizt dich daran?

Ich glaube die Unterscheidung ist eigentlich Quatsch. Der Rechner ist nur ein Werkzeug, der Stift ist nichts anderes. Farbe, Klang, Code.. alles ist kompatibel. Die einzige Frage ist, mit welchem Werkzeug man zum gewünschten Ziel kommt. Soweit zumindest die Theorie..

Gemessen an deinen bisherigen Projekten scheinen deinen Interessen generell ziemlich breitgefächert zu sein. Hast du deine favorisierte Ausdrucksform noch nicht gefunden oder ist das gar Methode, dass du so breit aufgestellt bist?

Hmm… wozu soll das gut sein, die EINE Ausducksform zu finden? Dafür spiel’ ich viel zu gern…

par • pluie from Valérie-Françoise Vogt on Vimeo.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Uncanny Valley überhaupt zustande gekommen?

Marko Ritter von Intolight habe ich letztes Jahr über Jacob beim Art.on.Wires kennengelernt. Dort haben wir quasi auch das erste Mal zusammen gearbeitet und das hat dann irgendwie nicht aufgehört. Dadurch habe ich das ganze Valley kennengelernt. Mir gefiel gut, was die Jungs da machen und ihnen ging’s mit meinen Sachen wohl ganz ähnlich.

Hattest du schon Erfahrungen mit der Gestaltung von Plattencovern oder ähnlichen Projekten in Zusammenhang mit Musik?

Kein Stück. Beziehungsweise ja, ich habe immer mal wieder Visuals gemacht, aber das ist was völlig anderes. Bei soundreaktiven Grafiken geht’s ja um Bewegung, Dynamik, Dramaturgie vielleicht sogar. Kurz: die Zeit. 30 Bilder pro Sekunde zu erzeugen ist manchmal einfacher als alles auf ein einziges, statisches Bild runterzubrechen.

Mal konkret gefragt, wie hat sich die Arbeit an Jacobs Cover für dich gestaltet. Hast du dir erst die Musik angehört und dich inspirieren lassen? War die Aquarell-Richtung von Anfang an klar?

Entwürfe

Die Aquarell-Sache (es sind übrigens total profane Wasserfarben ;) war von Anfang an eine Option, es gab aber auch andere Ideen. Ich habe viel mit Carl und Jacob über das Stück geredet und dann ist da natürlich dieser ziemlich unzweideutige Titel. Vielleicht scheint es ziemlich platt dann eben einen Frauenkopf aufs Cover zu tun, aber ich wollte das Thema auch nicht in der völlig beliebigen Anmutung, die generative Grafiken gerne annehmen, ersäufen. Das Thema ist halt sie. Das muss man ja nicht verheimlichen.

Welche Arbeitsabläufe hast du bis zum Endprodukt durchschritten?

Hmm…am Ende sind’s eigentlich nur zwei: Die Zeichnung und die Nachbearbeitung. Etwa 200 mal wiederholt.

Du hast ja einige Entwürfe eingereicht. Bist du letztendlich zufrieden mit der Auswahl?

Man verliert ja selbst irgendwann den Blick, wird urteilsunfähig, aber ich denke ich bin zufrieden. Design ist natürlich gemein. Ein bösartiges Problem. Es gibt immer was zu verbessern und heute würde ich vermutlich wieder alles gaaanz anders machen. Aber das ist wohl der ganz normale Fluch, mit dem wir alle leben. Frag mal’n Musiker, der erzählt dir bestimmt das gleiche!

Endprodukt

Du studierst an der Kunsthochschule Halle auf der Burg Giebichenstein – einer romanischen Burg, deren Geschichte bis ins Fränkische Reich zurück geht, die aber schon seit der vorletzten Jahrhundertwende als Kunstgewerbeschule genutzt wird. Wie fühlt es sich an, zeitgenössische Kunst an so einem geschichtsträchtigen Ort zu studieren?

Tja.. keine Ahnung. Ich studier’ ja Design und wir Designer sind in einer nicht ganz so geschichtsträchtigen Villa ein paar Kilometer südlich untergebracht. Fühlt sich aber trotzdem gut an!

Was für Projekte stehen bei dir an?

Ich bin ja gerade mit dem Studium fertig geworden, deshalb schwebe ich im Moment ein bisschen. Als nächstes steht auf jeden Fall ein Tanztheaterprojekt an, das schon Inhalt meiner Bachelorarbeit war. Das ganze soll Anfang nächsten Jahres aufgeführt werden.

Der Bau, Tanzperformance frei nach Franz Kafka

Und da es auf dieser Seite ja vorrangig um Musik geht: Was läuft bei dir im Radio, wenn du arbeitest?

Das kommt so drauf an, ob ich gestresst, entspannt oder gelangweilt bin. Die Palette reicht dann von Tool bis Bach. ;)

Vielen Dank, Valérie, und viel Glück für deine zukünftigen Projekte!

Interview: Philipp Demankowski